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30 Jahre Landesverein der Justizwachtmeister Niedersachsen e.V.

Resümee von Theodor Algermissen, Gründungsmitglied und 1. Vorsitzender vom 27. März 1980 bis 10. Mai 1983

 

Es war schon ein bedeutender Tag. Am 27. März 1980 sollte es sein. Die Justizwachtmeister des Landes Niedersachsen waren im Begriff, eine eigene Interessenvertretung zu gründen. Dieser Tag begann mit Spannung. Noch am Morgen des Gründungstages ging ein Anruf eines in einem anderen Verband organisierten Kollegen ein, der mit Drohungen und Schmähungen die Gründung verhindern wollte. Irritiert durch solche Nebenerscheinungen, aber auch unter dem Druck des Neuen und Ungewissen schritten 28 Kollegen am Nachmittag um 14:30 Uhr zur Tat und gründeten den Landesverband der Justizwachtmeister Niedersachsen.

Diese für die niedersächsischen Justizwachtmeister historische Stunde ist bis heute bei einigen noch in guter Erinnerung. Getragen durch die besondere Aufbruchstimmung, in Erwartung der aufkommenden Geschehnisse und beseelt mit dem Geist, den Justizwachtmeisterdienst aus dem Dornröschenschlaf der 60er und 70er Jahre in das 3.Jahrtausend zu führen, ließen sich die Kollegen der 1. Stunde nicht von dem Vorhaben der Gründung abhalten. Sämtliche Beschlüsse dieser Versammlung wurden einstimmig gefasst. Tiefe Entschlossenheit kennzeichnete diesen Tag im Altbau des Amtsgerichts Hannover. Zum 1. Vorsitzenden wurde Theodor Algermissen gewählt.


An diesem Tag wurde ein weiterer wichtiger Beschluss gefasst. Der Landesverband, der später seinen Namen in Landesverein aus rechtlichen Gründen ändern musste und diesen bis heute trägt, trat der Bundesinteressenvereinigung der Justizwachtmeister Deutschland dem heutigen Bundesverband der Justizwachtmeister bei. Diesem Verband gebührt an dieser Stelle besonderer Dank. Hat er doch die Vorbereitungen zur Gründung ständig begleitet, stand mit Rat und Tat zur Seite und gab enorme Hilfestellung in den Tagen und Monaten nach der Gründung.

Die Frage, warum eine Landesvertretung der Justizwachtmeister, die vor 30 Jahren von vielen Seiten gestellt wurde, gerade von den Gewerkschaften und Kollegenvertretungen, ist eigentlich bis auf den heutigen Tag aktuell. Warum also ein eigener Landesverein? Gab es doch schon genug Möglichkeiten in den Gewerkschaften und einzelnen Vertretungen, denen man sich nur hätte anzuschließen brauchen, um die Interessen der Jus-tizwachtmeister mit Nachdruck vertreten zu lassen.

Die Meinung, eine kleine Gruppe in der Größenordnung der Justizwachtmeister finde bessere Vertretung in einem großen Verband, war weit verbreitet. Im Prinzip ist dagegen nichts zu sagen. Doch die Kollegen, die als einzelne diesen Verbänden bereits angehörten, fühlten ihre Interessen eben nicht stark genug berücksichtigt. Der Anspruch, alle an einem Strang zu ziehen, machte keinen Sinn für die Justizwachtmeister, die oft genug mit ihren Problemen allein gelassen wurden.

Von besonderer Bedeutung und Prägung für den neuen Weg war das Argument der Verbände, Verbesserungen nur von oben nach unten herbeiführen zu können. Wer dabei auf der Strecke blieb war doch klar. Der gehobene und mittlere Dienst waren in den 70er Jahren auf der Erfolgsschiene. Nun war es nicht so, und das muss man gerechtigkeitshalber auch sagen, dass nichts für den Justizwachtmeisterdienst getan wurde. Aber die Schaffung weniger neuer Planstellen und die minimale Anhebung des Kleidergeldes waren eben keine Impulse.

Schon damals war in der Behandlung der Justizwachtmeister in der Bundesrepublik Deutschland ein Nord-Süd-Gefälle erkennbar. Bei einem Besuch in der Bayerischen Landeshauptstadt München wurde deutlich, welchen Stellenwert der Justizwachtmeister des Landes Niedersachsen einnahm. Hinzu kam, welches Informationsdefizit in den Schaltstellen Niedersachsens im Bezug auf das Tätigkeitsbild des Justizwachtmeisters vorhanden war. Hier hatten andere Vertretungen eben nicht die Belange dieser Berufsgruppe in entsprechender Weise in Angriff genommen. Den größten Raum nahm, damals wie heute, an Problematikbewältigung der Bereich Sicherheit ein. Mag bis heute auf diesem Gebiet vieles getan worden sein, befassen sich Vertreterkollegen immer noch intensiv damit.

Durch die Zerschlagung der Baader-Meinhof Gruppe und der Inhaftierung der ihr angehörenden Straftäter, war in der Bundesrepublik eine Zeit des Terrors vermeintlich vorüber. Sympathisanten und Komplizen der Inhaftierten versuchten durch weitere Terroranschläge ihre Leute aus der Haft freizupressen. Bei einem dieser fürchterlichen Anschläge wurden Generalbundesanwalt Buback und sein Fahrer, Kollege Wurster, ermordet. Dieser Anschlag bewegte die Kollegen bundesweit im Besonderen.